Schwaigerlehen im Prinzgau

Das Anwesen Schwaigerlehn in Stuhlfelden, Osttirol, ist nicht nur Jahrhunderte alter Bauernhof und Pension. Es hat auch die letzte Feuerkuchl Österreichs.

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Hier sitzt beieinander, wer sich fürs Abendessen angemeldet hat, egal ob Mechaniker aus Bottrop, Manager aus München oder Millionär aus sonst woher.

Über die Steinstufen kommt man zur alten Haustür, die beim Öffnen mit einem tiefen Ton knarzt. Der breite Hausgang in dem alten Bauernhof hat wenig Licht, und die Bilder an der Wand, die Stickereien auf den Kommoden und das Porzellan in den Vitrinen erkennt man nur schemenhaft. Die wuchtigen Planken des Holzbodens ächzen vernehmlich unter den Schritten. Alles wirkt hier im „Schwaigerlehen“ recht archaisch. Doch das ändert sich schlagartig, wenn die Hausherrin einem auf dem Flur entgegenkommt. Resi Bacher sieht so aus, wie man sich eine Bäuerin vorstellt. Mit schnellen Schritten kommt sie auf einen zu. Ein strahlendes Gesicht, die dunklen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Eine bunte Schürze umhüllt den kräftigen Körper. Das Auffallendste an der Pinzgauer Bäuerin ist freilich diese ungewöhnlich hohe, fast singende Stimme, die in jedem Fall viel Leidenschaft und Temperament vermuten lässt.

„Schwaigerlehen“, der über 500 Jahre alte Bauernhof mitten in Stuhlfelden, einem ruhigen Dorf im Pinzgau unweit von Mittersill, ist ihr Reich. Hier lebt und arbeitet sie, während ihr Gatte Fritz weiter unten im Dorf die Biobäckerei betreibt, und hier pflegt sie die Tradition auf eine sehr spezielle Art, die sie fast ein wenig berühmt

gemacht hat. 1486 wurde der Hof erstmals urkundlich erwähnt, und seit gut einem Jahrhundert ist er in Familienbesitz. „1892 hat`s der Urgroßvater mit der Urgroßmutter gekauft und seither ist`s in der Familie, und ich bin die dritte Frau, die im Besitz ist. Die Mama hat den Weitblick gehabt, das Haus zu erhalten“, erzählt die Resi recht eindrucksvoll, „und die Rauchkuchl war die einzige Feuerstelle im Haus und da hat die Urgroßmutter noch fürs halbe Dorf Speck geselcht und Schnaps gebrannt.“

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